Einleitung: Was ich vorhabe

Vor 10 Jahren habe ich das Buch Der Begriff der Wirklichkeit abgeschlossen. Die Abfolge der in diesem Buch behandelten Themen war biographisch motiviert: sie entsprach der Reihenfolge, in der die jeweiligen Fragen in mein Leben getreten sind: Was ist der wirkliche Grund für die relativistische Struktur der Welt? Gibt es eine realistische Interpretation der Quanten­mechanik? Ist die Nichtlokalität der Wirklichkeit tatsächlich bewiesen? Oder, schon ins Philosophische hinein reichend: WAS IST Gravitation? WAS IST Elektro­magnetismus? und noch andere physikalisch-philosophische Fragen.

Ich hatte zunächst nicht wirklich mit Antworten gerechnet, ich war nur einfach meinem Bedürfnis nach besseren Erklärungen gefolgt. Als sich dann aber, entgegen meinen Erwartungen, schließlich doch Ergebnisse abzeichneten, führten sie sofort zwingend zu weiteren, über den natur­wissenschaftlichen Rahmen hinausgehenden ontologischen Fragen, wie z.B. Warum ist "Etwas" und nicht "Nichts"? oder: Wenn überhaupt "Etwas" ist, WIE muss dieses "Etwas" beschaffen sein?, wobei jedoch von Beginn an beabsichtigt war, von dieser ontologischen Basis aus die naturwissen­schaftliche Weltsicht zu begründen.

Zuletzt folgte noch eine überraschende Erweiterung des Projekts, als mir klar wurde, dass die bis dahin gesammelten Erkenntnisse notwendig und hinreichend waren, einige der wichtigsten philosophischen Fragen zu beantworten, wie etwa: Gibt es Willensfreiheit? oder Warum gibt es Qualia?, woraus wiederum die Antwort auf die Frage folgt: Warum ist es unmöglich. dass informations­verarbeitende Systeme Geist haben? (Eine weitere Überraschung – vorher hatte ich vermutet, dass das, zumindest im Prinzip, doch möglich sein sollte.)

Damals erschien es mir selbstverständlich, alle diese Themen in einem Buch abzuhandeln – eben genau deshalb, weil sie zusammenhängen und daher zwingend aufeinander folgen: eine Welt, ein Buch! Oder um es etwas ausführlicher zu sagen: die Welt ist unteilbar, daher ist auch ihre Beschreibung unteilbar. Inzwischen ist mir aber klar geworden, dass ein solches Buch aus mehreren Gründen problematisch ist:

In früheren Zeiten war das Wissen über die Welt diesem Ideal der Einheit verpflichtet, heute hingegen sind sowohl das Wissen als auch die damit verbundenen Interessen vollkommen partikularisiert. Wenn man also erneut die Einheit der Naturerkenntnis anstrebt, dann setzt man sich gewissermaßen zwischen alle Stühle.

Ein weiterer Nachteil der thematischen Weitläufigkeit ist, dass sich einige wesentliche Gedankengänge über große Teile des Buchs erstrecken, wodurch es erheblich aufwendiger ist, sie nachzuvollziehen und zu verstehen. Ich empfinde das immer mehr als Mangel, und ich fühle mich verpflichtet, zumindest die wichtigsten meiner Themen zusammenzufassen und in eine kompakte Form zu bringen.

Deshalb habe ich mich nun entschlossen, dasselbe Projekt nochmals, aber in ganz anderer Gestalt zu präsentieren, nämlich in Form einer Reihe von thematisch begrenzten Modulen, die untereinander gemäß ihrem inhaltlichen Zusammenhang verlinkt sind. So steht jedes Thema für sich und jeder Gedankengang kann bis zu seinem Ende ausgeführt werden – allerdings vielleicht mit dem Nachteil, dass es dann schwieriger ist, sich einen Gesamt-Überblick zu verschaffen. Jedenfalls wird aber die Struktur des Projekts dann mehr der Struktur der gegenwärtigen Wissenschaft entsprechen.

Ich muss allerdings gestehen, dass mich zu dieser Neugestaltung noch ein ganz anderes Motiv antreibt: Die Reihenfolge der Module ist ja im Grunde gleichgültig – jeder Leser kann mit dem Modul seiner Wahl beginnen und sich dann seinen Interessen entsprechend über die jeweiligen Links oder auch Überschriften seinen Weg durch das Werk suchen. Für mich bedeutet das jedoch eine ungewohnte Freiheit des Schreibens: ich kann zu jedem Zeitpunkt jedes meiner Themen wählen, anders gesagt, ich kann schreiben, was mir gerade einfällt, und darauf freue ich mich.

Ich werde versuchen, jeden Gegenstand so einfach darzustellen, wie es mir möglich erscheint, ohne dass wesentliche Elemente des Gedankengangs auf der Strecke bleiben. Auf Mathematik werde ich nur dann zurückgreifen, wenn es unbedingt erforderlich ist, ansonsten werde ich auf die entsprechenden Passagen im Begriff der Wirklichkeit verweisen und hier nur die Inhalte der Gleichungen sowie die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen darlegen.

Ich beabsichtige also, eine Reihe zusammenhängender "logischer Miniaturen" anzufertigen, die in ihrer Gesamtheit einen Eindruck von der Struktur der Wirklichkeit vermitteln sollen. Sobald eine dieser Miniaturen vollendet ist, werde ich sie in die Liste der Links am Ende dieser Seite einfügen.


Heinz Heinzmann

Wien, Juli 2021


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